Septembertag…
… so lautet der Titel eines kleinen Büchleins von Luise Rinser. Sie beschreibt darin einen einzigen Tag in ihrer Wahlheimat in der Nähe von Rom.
In dieser Woche hat er begonnen, der September, der Übergangsmonat. Mit ihm neigt sich das Jahr seinem letzten Viertel. Die letzte Woche der großen Ferien naht. Danach beginnt wieder die Schule. Wobei die Begeisterung bei den Kleinsten und Anfängern meist am größten ist. So wird deutlich, der Sommer ist vorbei. Er trägt ja um diese Zeit auch einen besonderen Namen, der deutlich macht, dass nicht nur das Junge, Frische und Knackige schön ist, sondern auch das Spätere, Reifere und Ältere seinen Charme hat; man muss ihn nur zu sehen und zu schätzen wissen.
Das Licht des Spätsommers wirkt nicht mehr so grell und hell wie das des Hochsommers. Die Farben der Blumen scheinen intensiver und inniger zu strahlen. Im September erinnern wir Katholiken uns auch an drei besondere Tage im Leben Mariens, ihren Geburtstag, ihren Namenstag und den Tag ihrer sieben Schmerzen. Die Gnadenbilder an vielen unserer fränkischen Wallfahrtsorte sind Darstellungen der Pieta, der Schmerzensmutter, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält. Es ist wohl das Grausamste, was einer Mutter widerfahren kann, wenn sie ihr eigenes verstorbenes Kind in dem Schoß trägt, aus dem sie es geboren hat. Daher haben viele Gläubige ihre schwere Trauer vor ein solches Bild getragen, ihre Not davor geklagt, das Herz ausgeschüttet und sich ausgeweint. Dann sind sie getrost und gestärkt weitergegangen auf den langen und mühsamen Trauerwegen durch die Nebelzeiten des Lebens.
Ich wünsche uns, dass wir sie auch aufmerksam genug wahrnehmen können, die Schönheit eines der kommenden Septembertage mit ihren besonderen Lichtblicken; ob im Gesicht einer später Sonnenblume oder einer Dahlie, beim Anblick eines frühen bunten Herbstblatts in den sich bereits färbenden Weinbergen oder in einem einzigen Augenblick, durch den mir aufgeht, wie groß das Wunder meines Augenlichtes ist, das bis auf den Grund meines Herzens leuchtet.
Jetzt, wo sich der Sommer nicht mehr so groß und ungestüm zeigt, sondern die Farben der Blumen viel tiefer leuchten im goldfarbenen Licht der Spätsommersonne, mögen dir viele Augenblicke zu einem bunten Segen werden.
Jetzt, wo viele Felder schon abgeerntet sind, doch die Gärten mit ihren Früchten sich von der schönsten Seite zeigen, möge dir das Geheimnis der Reife und des Gedeihens zum Segen werden auf dem Acker deines Lebens.
Jetzt, wo du wieder neu mit deinen Augen betrachten darfst, welche Überfülle im Erntesegen des Herbstes waltet, mögest du dich deines Schöpfers mit staunender Dankbarkeit erfreuen.
(Paul Weismantel)