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Brückenbauerinnen mit besonderem Lächeln

 „Du hast einen schönen Beruf“, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, „doch es muss schwer sein, Brücken zu bauen.“ „Wenn man es gelernt hat, ist es leicht“, sagte der alte Brückenbauer, „es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind sehr viel schwieriger; die baue ich in meinen Träumen.“ „Welche anderen Brücken?“ fragte das Kind. Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. „Ich möchte eine Brücke bauen von einen zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit zur Ewigkeit über alles Vergängliche hinweg“. Das Kind hatte sehr aufmerksam zugehört. Es hatte zwar nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil es ihm eine Freude machen wollte, sagte das Kind: „Ich schenke dir meine Brücke“. Und das Kind malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen.“

 Brückenbauerinnen zwischen Indien und Kleinostheim - das sind seit fast 15 Jahren die indischen Schwestern unserer Dillinger Franziskanerinnen, die unseren Konvent verstärken, die im Haus St. Vinzenz von Paul sich um alte und kranke Menschen kümmern, die jährlich beim Fastenessen mithelfen, die einfach zu unseren Gottesdiensten und zu unserer Gemeinde dazugehören. „Sie tragen safrangelbe Saris mit braunem Rand - die Farbe des heiligen Franziskus - und dezenten Schmuck. Und sie lächeln mit ihren dunklen Augen, wie nur Inderinnen es können.“ So schrieb das Main-Echo im September 2006 über die ersten Schwestern, die zu uns kamen. Erinnern Sie sich an die sieben Schwestern, die seitdem bei uns waren und mit uns lebten und glaubten: Reetha (2006-2009), Asit (2006-2009 und 2014-2018), Thekla (2009-2011), Joslin (2009-2012), Grace (2011-2014), Iyoti (2012-2013) und Nira seit 2017. Sie kehrt nun nach fast vier Jahren auch wieder in ihre Heimat zurück. Und damit reißt diese kleine Tradition (vorerst) ab, da die Provinzleitung in Indien trotz unserer intensiven Bitte derzeit keine Schwester zu uns schicken kann. Wir bedauern das sehr.

 Wir sind den Brückenbauerinnen aus Indien sehr dankbar für ihr Dasein und ihr Mitleben und Mitglauben, denn sie haben so unseren Horizont geweitet und uns zu Solidarität mit den Armen, für die sie in Indien selbstlos da sind, eingeladen und ermuntert. Und so ist in all den Jahren viel an Unterstützung Richtung Indien geschehen und „überwiesen“ worden.

 Im Gottesdienst am Sonntag, 2. Mai, wollen wir Schwester Nira verabschieden und ihr danken und alles Gute mit auf den Heimweg geben. Es liegt an uns, dass wir auch weiterhin Brücken der Verbundenheit mit „unseren Schwestern“ in Indien bauen und ihre Arbeit im Dienst an den Menschen großherzig unterstützen. Zugleich hoffen wir, dass bald die gute Tradition der „Brückenbauerinnen mit besonderem Lächeln“ fortgesetzt werden kann…

 

Heribert Kaufmann

 

 

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