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Wir sind Königskinder

Wir sind KönigskinderManche Menschen finde ich anstrengend. Zum Beispiel die, die sich ständig selbst in den Mittelpunkt stellen oderdie zu jedem Thema irgendetwas zu sagen haben. Menschen, die immer alles anders haben wollen, aber selbstnichts oder nur wenig dafür tun. Oder auch die, die sich nicht einfach mal so freuen können und immer das Haarin der Suppe suchen.Anstrengenden Menschen gehe ich manchmal lieber aus dem Weg. Das klappt aber nicht immer. Mit manchenmuss ich einen Weg finden, um mit ihnen auszukommen. Und mit Freunden oder in der Familie ist es auch nichtimmer nur schön und einfach.Was mir in solchen Momenten hilft, ist mir vorzustellen, dass ich meinem Gegenüber in Gedanken eine Kroneaufsetze. Das fällt mir nicht immer leicht. Aber ich lerne, mein Gegenbüer noch einmal mit anderen Augenanzuschauen. Mich auf die Suche zu machen, was kostbar an ihm ist; was ich bisher vielleicht noch nichtgesehen habe, weil ich nur auf das fixiert bin, was mich so anstrengt.Jemandem eine Krone aufsetzen - das passt für mich auch zum Fest Christkönig, das wir zum Ende desKirchenjahres am Sonntag feiern. Christkönig: das ist ein Fest, das es erst seit knapp hundert Jahren gibt.Damals, in einer Zeit, in der die Nazis immer mächtiger werden und in der der christliche Glaube nicht mehrselbstverständlich zum Leben gehört, hat die katholische Kirche ein Zeichen setzen wollen. Ein klares Signal, dasdeutlich macht: Für Christen gibt es nur einen wahren König und der heißt Jesus.Auch wenn die Zeiten heute andere sind, passt der Titel König gut zu Jesus. Denn im Umgang mit denMenschen, da gibt sich Jesus wirklich königlich. Behutsam und aufmerksam geht er auf die Menschen zu. Erspürt, dass jeder Mensch sich danach sehnt, gesehen zu werden und anerkannt zu sein. Und deshalb muss ichzu diesem König auch nicht auf Knien heranrutschen, sondern gehe ihm aufrecht entgegen. So, wie ich eben bin.Jesus ist ein König, der mich zu einem Königskind macht.Also Christkönigssonntag ist auch Königskindersonntag! Martin Buber, der bekannte jüdische Religionsphilosoph,hat einmal gesagt: „Es gibt nur eine wirkliche Sünde, zu vergessen, dass jeder Mensch ein Königskind ist.“ Undder Liedermacher Frieder Gutscher singt: „Du bist ein Königskind, dessen Wege heilig sind, dessen Würde ewigbesteht, in dem der König lebt. Er hat dich auserkoren, so liebevoll erdacht, dich aus seinem Herzen geboren undwundersam gemacht.“ Und von Nelson Mandela stammt das Wort: „Du wurdest geboren, um die HerrlichkeitGottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen.“Gekrönt ist jeder von uns. Wenn das mal keine Zusage ist. Und weil jeder Mensch ein König oder eine Königin ist,muss ich manchmal eben nur ein bisschen genauer hinschauen, um die Krone der anderen zu entdecken.

Heribert Kaufmann

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