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 Laurentius und der geheime Imperativ

Christsein heißt: Aus tiefen Quellen schöpfen zu dürfen. Unsere Glaubensgeschichte hat eine lange Tradition. Manche empfinden das allerdings als Last. In Wirklichkeit ist die Überlieferung aber ein ganz großer Schatz. Diese Kostbarkeit strahlt uns ganz besonders in den Heiligen entgegen. Wir Christen leben nicht von der Hand in den Mund. Wir müssen uns nicht ständig neu erfinden, platzieren und definieren.

Ist es nicht faszinierend und ungeheuer spannend, sich mit Menschen auseinander zu setzen, deren zeitlicher Abstand zu uns Heutigen fast unüberbrückbar zu sein scheint? Welche geballte innere Kraft besitzen solche Persönlichkeiten, dass sie selbst nach fast 1800 Jahren noch ganz frisch und atttraktiv für uns sind! Diesem geistigen Geschenk stehen wir Jahr für Jahr gegenüber, wenn wir unseren Pfarrpatron Laurentius betrachten und feiern. In den Augen der Kinder dieser Welt sind wir eh verrückt, einen Menschen zu verehren, dessen Leben im Grund doch ein einziges Scheitern war.

Was hat denn Laurentius im Sinne unseres heutigen Lebensgefühls für Leistungen vollbracht? Er hat keine Bücher geschrieben, keine Kinder gezeugt, keine Schlachten gewonnen. Laurentius hat nichts erfunden, nichts Großartiges verändert und bewegt. Warum also soll man nach so langer Zeit an ihn denken, ihn so vehement verehren, wie wir das tun? Worin besteht also das Große, das nie vergeht, das bis in unsere Gegenwart herein leuchtet?

Papst Leo der Große ist einer der späteren Biographen des Hl. Laurentius. Fast 200 Jahre nach dessen Tod fasst er sein Leben, seine tragende Motivation so zusammen: Das Feuer, das in ihm brannte, half ihm, das äußere Feuer des Martyriums zu bestehen. Dies scheint also der Schlüssel zum Ganzen zu sein: Der Impetus, der innere Antrieb, die Mitte, aus der wir leben, Kraft schöpfen, über uns selbst hinaus wachsen, lieben gegen alle Widerstände, wenn es sein muss.

Pater Alfred Delp, einer der Märtyrer des Dritten Reiches, schreibt kurz vor seinem Tod in sein Tagebuch: In uns muss ein Feuer brennen. Unser Leben muss unter einem geheimen Imperativ stehen, eine innere Kraft besitzen, aus der wir bisweilen zu Übermenschlichem fähig sind.

Bringen wir es ganz klar auf den Punkt: Für Laurentius, wie für Alfred Delp und für unzählige andere war und ist es die Liebe zu Jesus, die ihnen Kraft und Motivation gab. Genau das ist jenes Feuer. Feuer ist etwas sehr Empfindliches. Es kann lange dauern, bis es wirklich brennt. Und dann? Man muss ihm ständig Nahrung geben, nachlegen, damit es nicht erlischt. Feuer will gehegt und gepflegt sein, damit wir der Nachwelt nicht nur glimmende Asche, sondern die volle Glut übergeben.

Für was entwickeln wir nicht alles Liebe und Leidenschaft! Für das, was uns heilig und wichtig ist, scheuen wir weder Kraft, noch Kosten, noch Zeit. Was ist uns der Glaube wert? Was investieren wir dafür? Wofür geben wir unser Herzblut her?

Laurentius war kein Übermensch, kein Supermann, der wie die Helden von Film und Fernsehen allem Unbill trotzte. Nein, er stellt sich dem Martyrium. Der Rost, mit dem er dargestellt wird, steht für etwas viel Tieferes. Er steht für Prüfung und Bewährung - ein Aspekt, den wir niemals aus dem Christentum herausnehmen dürfen. Wir dürfen das Christentum nicht zu einer reinen Wohlfühlreligion degradieren, sonst verliert es seine innere Seele! Glaube braucht Einsatz und Bewährung. Das gilt für jede Zeit. Und ganz besonders für heute. (Wolfgang Kesenheimer)

Herzliche Einladung zum Gottesdienst am Fest unseres Kirchenpatrons Laurentius am 10. August um 18.30 Uhr mit Domkapitular Albin Krämer aus Würzburg.

 

Heribert Kaufmann

 

 

 

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