Advent: Nur Mut!
„Mut ist Angst – plus ein Schritt“. So heißt ein Buchtitel. Mut ist demnach nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes größer und wichtiger ist.
„Mut ist, wenn du mit der Angst tanzt“, singt Alexa Feser. Gerade unsere Zeit der ständigen Überinformation mit ihrer apokalyptischen Grundstimmung führt uns in eine Passivspirale: Was kann ich schon tun? Sie führt zu resignativer Haltung und Rückzug. Mut ist die Bereitschaft, aus dem Hamsterrad der lähmenden Hiobsbotschaften auszusteigen und sich nicht davon lähmen zu lassen.
„Mut ist, wenn die Schranke im Kopf zerbricht“, so endet das Lied von Alexa Feser über Mut. Das wollen die kraftvollen und bildstarken Lesungstexte der Propheten des Alten Testaments in der Adventszeit. Sie klingen fast schon wie ein Hohn. Doch es gilt: „Wer Probleme sucht, findet Probleme. Wer Lösungen sucht, findet Lösungen.“ So sind die verheißungsvollen biblischen Texte der Adventswochen die Einladung zum Perspektivwechsel, zur Suche nach ermutigenden Lösungen. Wenn ich mich nur mit den Problemen beschäftige, raubt mir das die Energie. Wenn ich Lösungen träume und meinen Blick darauf richte, motiviert mich das, mich den Zumutungen und Herausforderungen, die vor mir und vor uns liegen, zu stellen. „Wenn die Sehnsucht größer ist als die Angst, wird Mut geboren. Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg“, sagt der Dichter Rainer Maria Rilke. Der Advent will in uns die Sehnsucht wachhalten nach der großen, guten Zukunft Gottes, nach seinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. Andere würden das vielleicht die Kraft des positiven Denkens nennen. Ich bin gerade im Advent dankbar: Uns sind verheißungsvolle, kraftvolle, ermutigende Bilder einer guten Welt geschenkt, die uns zurufen: „Fasset Mut und habt Vertrauen!“
„Mut ist Angst, die gebetet hat.“ Ein Wort der niederländischen Schriftstellerin Corrie ten Boom, die während der Diktatur der Nationalsozialisten zur Widerstandskämpferin wurde. Im Vertrauen auf Gott kann ich der Versuchung zur Resignation widerstehen.
Mut ist aber auch etwas, das nie nur uns selbst gilt. Mutig sind wir auch für andere. Gerade im Advent kann das bedeuten, anderen Mut zu machen, auch wenn uns mulmig zumute ist. Es gilt: mutig werden ist wie Schwimmenlernen. Man lernt es im Tun. Nur Mut.
So steht der Mut im Zentrum unseres diesjährigen Advents. Damit stimmen wir uns ein auf den Katholikentag im kommenden Mai in Würzburg unter dem Leitwort: „Hab Mut, steh auf!“ Und lassen uns stärken, nach dem Heiligen Jahr, das ganz im Zeichen der Hoffnung stand, nun mutig unseren Weg als Christen inmitten vieler Zumutungen zu gehen. Adolph Kolping ermutigt uns: „Die Zukunft gehört Gott und den Mutigen. Wer Mut zeigt, macht Mut.“ Daran will uns der Advent erinnern. Ein wahrer Mutmacher gegen so viele Miesmacher…
Heribert Kaufmann