Wort des Pfarrers zum Sonntag

Ostern: ein trotziges Dennoch – gib nicht auf…

Und dennoch

vom Land jenseits der Gewalt erzählen

von der Liebe, die unzerstörbar ist

auch wenn die Panzer in Stellung gehen

Und dennoch

in den Ruinen die neue Stadt sehen

gegen die Angst die Hoffnung weben

auch wenn die Drohnen kreisen

Und dennoch

mit verzweifelten Händen graben

die Wunder beschwören

auch wenn die Stimmen am Verstummen sind

Und dennoch

den Samen in die Erde betten

das Keimen des Segens erwarten

auch wenn die Luft nicht nach Frühling riecht

Und dennoch

das Bett machen – jeden Morgen

zur Nacht die Gebete in den Wind heben

auch wenn der Himmel schweigt

Und dennoch

Gib nicht auf

es kommt der Tag

da verzweigt der Widerstand

da betäubt der Schrei die Ohren

da stehen die Kleinen auf

Gib nicht auf

es kommt der Tag

da muss keine mehr um ihr Leben laufen

da kauert keiner mehr mit seinen Kindern im Keller

da nimmt niemand mehr den Bruder ins Visier

in den Kasernen allein der Wind

Gib nicht auf

es kommt der Tag

da beginnen die Steine zu leben

da schauen die Menschen in den Ruinen die neue Stadt

da keimt auf dem Grund der Tränen das Recht

himbeerrot, honiggelb, lavendelblau

Gib nicht auf

es kommt der Tag

da streift der Zorn des Himmels die Mörder

da treten die Totgetretenen ans Licht

da fliegen die Tauben auf

Gib nicht auf

es kommt der Tag

da öffnen sich die Türen der Kerker

da atmen die Lungen den Frühling ein

das Brot geht von Hand zu Hand

das Kind wirft sein Lachen in die Luft

Gib nicht auf!

(Jacqueline Keune)