Segnung des Christophorus-Reliefs

Bürgermeister Dennis Neßwald hat dankenswerterweise eine historische Begebenheit aufgegriffen und auf dem Friedhof eine Erinnerungsstätte geschaffen. Auf dem Kirchhof war seit dem 9. Jahrhundert bis 1754 eine Kirche, die schon damals dem Heiligen Laurentius geweiht war. Auf der Außenseite zum Main hin war eine überlebensgroße Darstellung des Hl. Christophorus aufgemalt, der auch der Patron der Schiffer ist und über eine in der Nähe liegende Furt wachte. Zu diesem Gedächtnis hatte die Thomas Krug von der Firma Krug ein entsprechendes Relief entworfen und am Geländer des Freisitzes montiert. Eine kleine Gedenktafel erläutert die Hintergründe. Der Zugang zu diesem Freisitz wurde behindertengerecht umgestaltet. Bürgermeister Dennis Neßwald und Pfarrer Heribert Kaufmann nahmen die Weihe am 23.08.2026 vor.

Der Chronist Dr. Johannes Kramer schrieb 1938 in seiner Chronik „Die tausendjährige Geschichte der Pfarrei Kleinostheim am Main…“:

Eine Besonderheit der mittelalterlichen Ossenheimer Pfarrkirche ist noch bekannt, von der sich die wiederholt fälschlicherweise in den Pfarrbeschreibungen gebrauchte Bezeichnung „Christopheleskirche“ herleitete, die jedoch schon damals dem Hl. Laurentius geweiht war. Auf die Außenmauer der Kirche nach dem Maine hin war überlebensgroß das Bild des heiligen Christophorus gemalt. Wohl war es die uns allen vertraute Darstellung, wie der heilige Riese nach der Legende das Christkind durch einen Fluss trägt. Christopherus ist ein Blutzeuge aus der Zeit des Kaisers Decius (249-251). Er erscheint im deutschen Mittelalter unter den vierzehn Nothelfern. Im späten Mittelalter wird er ganz besonders als Patron gegen einen jähen Unfalltod verehrt. Die Schiffer und Flößer riefen ihn in ihrem gefahrenreichen Berufsleben an. Wer sein Bild in Verehrung brachte, so glaubte die Menge, sei für den betreffenden Tag vorm Tode geschützt. So finden wir im Mittelalter den heiligen Christophorus vielfach als Brückenheiligen. Heute gilt der Heilige in katholischen Ländern wieder als Schutzpatron des Verkehrs und der Reisenden. Er wird vor allem von den Kraftfahrern verehrt, die so oft dem Tod ins Auge sehen. Das Bild des St. Christophorus an unserer mittelalterlichen Kirche sollte zu den Schiffern und Flößern hinüberwinken, die damals auf dem nahen Main in großer Zahl vorüberfuhren. Das Bild mag im 14. und 15. Jahrhundert angebracht worden sein, da uns in dieser Zeit vor allem die Verehrung des Heiligen bezeugt ist.

Edwin Lang

(Archiv)